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# Ich habe keine Essstörung mehr (und dabei bleibt es)
- URL: https://www.angeladoe.com/ich-habe-keine-essstorung-mehr-und-dabei-bleibt-es/
- Published: 2026-08-07T05:20:27.000Z
- Updated: 2026-08-16T12:21:05.000Z
- Author: Angela Doe
- Tags: THOUGHTS

Ich muss nur ein bisschen was an meiner Ernährung ändern, denke ich, immerhin mache ich seit Monaten so viel Sport wie noch nie in meinem Leben – für meinen Rücken. Es lohnt sich – für meine Schmerzen – aber wäre schon schön, wenn man auch … irgendwas sieht?  
Vielleicht ein bisschen mehr Proteine hier, ein bisschen weniger Kohlenhydrate da, ganz locker, ganz easy.

Einen Monat später sehe ich immer noch keinen Unterschied. Ich hätte vielleicht doch ein Vorher-Bild machen sollen, denke ich. Nein, sowas machen wir nicht mehr, sagt die andere Stimme in meinem Kopf. Ich mache trotzdem weiter. Noch ein bisschen weniger Kohlenhydrate, vielleicht jetzt auch (manchmal) abends. Ist ja nicht so schlimm, das machen doch alle so, ist doch ganz normal.

Wieder einen Monat später stehe ich morgens frustriert vor meinem Kühlschrank. Was soll ich denn jetzt frühstücken, damit ich satt bin – aber nicht zu viele Carbs esse, damit man irgendwann auch mal „was sieht“? Ich stehe wie eingefroren vor der geöffneten Kühlschranktür und versuche, Lebensmittel in meinem Kopf zu kombinieren für die perfekte Essensformel. Das Ergebnis: 0\. Denn das, worauf ich Lust habe, steht auf einer unsichtbaren Verbotsliste. Also, nur heute. Wegen dem Plan und so. Ist ja ganz normal, das machen die ja alle so.

Die schlechte Laune vor dem Kühlschrank fühlt sich seltsam vertraut an. Und falsch. Irgendetwas stimmt nicht. Ich blicke auf die Uhr. Zehn Minuten stehe ich schon hier. Zehn Minuten lang denke ich darüber nach, was ich essen darf – und was nicht.

![](https://storage.ghost.io/c/86/44/8644624a-d5a4-4656-ba3d-723fe43551f2/content/images/2026/08/stimmtnicht.png)

*Was mache ich hier?* 
*Was zur Hölle mache ich hier eigentlich?*

Und dann erinnere ich mich. Ich erinnere mich, wie ich mir vor etwa 7 Jahren geschworen habe, nie wieder zuzulassen, dass Essen einen so großen Teil meiner Gedanken einnimmt. Damals fragte ich mich, was ich wohl alles tun und bewirken könnte, wenn ich nicht 80 % meiner Gedanken des Tages an Essen verschwenden würde. 

!["Ich könnte Berge versertzen"](https://storage.ghost.io/c/86/44/8644624a-d5a4-4656-ba3d-723fe43551f2/content/images/2026/08/berg.png)

schrieb ich damals in mein Tagebuch. Ich stehe vor meinem geöffneten Kühlschrank mit all den leckeren Sachen und muss plötzlich lachen. Das bin doch schon lange nicht mehr ich! An genau diesem Punkt hier muss ich mich entscheiden, ob ich wieder in eine Essstörung falle – oder ob ich es sein lasse. Und ich entscheide mich binnen Sekunden. Ich entscheide mich nicht halb, ich entscheide mich ganz. Ich stehe vor meinem Kühlschrank und lache, weil sich diese Entscheidung so unendlich richtig anfühlt.

Ich habe keine Essstörung mehr, und dabei bleibt es. Ich möchte die Person bleiben, die es da raus geschafft hat. Ich bin nicht mehr die Person, die sich auf die Waage stellt, sich misst und Vorher-Fotos macht, die sich den Kopf darüber zerbricht, was sie essen sollte und was nicht. Ich bin die Person, die seit 8 Jahren nicht weiß, was sie wiegt und der es nicht egaler sein könnte. Ich bin die Person, die Sport macht, weil es gesund ist. Ich bin die Person, die isst, was sie möchte, wann sie es möchte. 

![](https://storage.ghost.io/c/86/44/8644624a-d5a4-4656-ba3d-723fe43551f2/content/images/2026/08/dasbinich.png)

Die Essstörung gehört nicht mehr zu mir, sie ist nur noch ein seltener Besucher, der manchmal anklopft, um mir die Augen zu öffnen. Sie ist mein Warnsignal. Sie stellt mich jedes Mal wieder vor die Entscheidung, ob ich *ihr* zuhören will – oder lieber *mir selbst* zuhören will, um rauszufinden, was wirklich hinter dem Bedürfnis, abnehmen zu müssen, steckt. Ein Verlust? Eine Veränderung? *Was versuche ich, wegzudrücken?*

Ich stehe immer noch vor meinem geöffneten Kühlschrank und greife zum Tofu, den Zwiebeln und den Tomaten, den Pimientos und zu den geilen, getrockneten Tomaten in Öl, hole mir zwei Scheiben Brot aus dem Tiefkühlfach und koche mir das leckerste, bunteste Frühstück der Welt.

Beinahe hätte mich die Essstörung wieder ausgetrickst. 

![Aber nicht mit mir.](https://storage.ghost.io/c/86/44/8644624a-d5a4-4656-ba3d-723fe43551f2/content/images/2026/08/nichtmitmir5.png)